Auf ein Wort

Scharf-Blick

Freut euch des Lebens, weil noch das Lämpchen erglüht. Pflücket die Rose, eh sie verblüht.

Man schafft so gern sich Sorg und Müh, sucht Dornen auf und findet sie. Und lässt das Veilchen unbemerkt, das uns am Wege blüht.

Ihr Pfarrer Michael Bartsch,
auch im Namen von Pfrn. Gabriele Sander und Pfrn. Christina Lang

Die Freude im Leben ist ein Gefühl, das in uns auftaucht, genauso wie die Liebe. Wir können Gefühle nicht kontrollieren oder herbei zwingen, wir können sie nur empfangen. Aber wir Menschen besitzen ein Bewusstsein und eine Erinnerung. Mit beidem versuchen wir die Momente der Freude und Liebe zu bewahren und im Rückblick zu beobachten. Dann steigt eine Dankbarkeit in mir auf, die wie eine wunderschöne Blume in meinen Alltag leuchtet. Unser Osterfest will solch eine Blume der Dankbarkeit und Lebensfreude für uns sein. Ich bin dankbar, dass ich geboren bin. Ich bin dankbar, dass der Schöpfer mich mit seinem Geist angerührt hat. Ich bin dankbar, dass ich die Worte von Jesus als 18-Jähriger zum ersten Mal lesen durfte. Ich bin eingezogen in seine Wort-Wohnung und habe ihn besucht in der Straße von Matthäus, Markus, Lukas oder Johannes. Sein Worte trafen mein Herz im Innersten. Ich bin dankbar für den Aushang der Kirchgemeinde, der mich auf dem Weg zum Bahnhof eingeladen hat. Ich staune, durch welche wunderschönen Landschaften und tiefe Täler mich der Herr führte. Nie hat er mich dabei wirklich losgelassen. Ich wundere mich, dass mein Lebenslicht noch glüht und ich die Blumen in meinem Garten sehen kann. Ich bin traurig, dass Jesus sein Leben mit Anfang 30 verloren hat. Und ich weiß durch ihn, dass jedem "Verlieren" ein "Finden" folgt. Ich bekomme neue Kraft, ein neues Verstehen und ein neues "Sein", wenn ich dieses Leben loslassen muss. Der Raum ist nicht weit entfernt von uns, denn die Grenze ist dünn wie eine Gardine. Jesus hat jeden Windzug von unserem Vater im Himmel gespürt und an uns weiter gegeben.

Das Osterfest will uns eine Erinnerung sein an die Freude im Leben, an die Liebe in jedem Atemzug Gottes und an das "Neu-Finden" im Schmerz. Wenn wir dieses Fest aus der Erinnerung an unseren eigenen Weg mit dem Schöpfer feiern, dann entdecken wir das "Veilchen" am Wegesrand.

Ihr Pfarrer Steffen Springer