30.07.2026
„Widdersehen“
Sommergruß mit Lesetipp
Liebe Leserinnen und Leser !
Wenn ich ihnen einen köstlichen Lesespaß für die Sommerferien empfehlen darf, dann ist es der Roman „Widdersehen“ von Leonie Swann . Die Rechtschreibung ist vollkommen richtig, denn es geht in diesem Schafs-Krimi um die Suche einer Schafherde und deren Widder nach ihrem Hirten, bzw. ihrer Hirtin Rebecca, die scheinbar spurlos verschwunden ist. In einer herrlichen Parodie auf unsere moderne Gesellschaft beschreibt die Münchner Schriftstellerin, Leonie Swann , Zustände des Verlorenseins, den Mut des Suchens und die Freude des Wiederfindens im tierischen und menschlichen Leben. Ich mußte bei der Lektüre sofort an das Gleichnis Jesu „Vom verlorenen Schaf“ ( Lukas 15, 1-7) denken. Dort wird der Blick schnell auf das liebevolle Handeln Gottes gelenkt und auf seine Suche nach jedem Menschen im Zustand der Verlorenheit. Ich glaube, wir sind heute in einem Zustand des inneren Verlorenseins, der sich viel intensiver als in vergangenen Jahrhunderten anfühlt. Gleich geblieben ist unser grundsätzliches existentielles „Eingeschlossen - Sein“ in unserem „Ich - Gefühl. „ Das endet erst, wenn mein Herz die Liebe Gottes in seinen innersten Raum einläßt. Aber wir sind heute mehrfach verloren. Unsere Jugend hat den positiven Horizont ihrer Zukunft verloren, durch die Bedrohung des Klimawandels. Wir sind heute nicht nur verloren im realen Leben, sondern ein zweites mal in der künstlichen Welt der sozialen Medien. Durch die Medien erfahren wir die Komplexität unsere Gesellschaft und fühlen uns verloren in den Bewegungen der Finanzwirtschaft, in der übertriebenen Bürokratie, in der Sattheit des Überflusses und in der permanenten Lautstärke unserer Gesellschaft. Dazu zieht noch der eiskalte Wind eines postmodernen Atheismus auf. Im Gleichnis Jesu handelt allein unser fürsorglicher Schöpfer. Aber ein Schaf ist nicht dumm, es versucht auch selbst aus der Verlorenheit umzukehren und den Hirten zu finden. Es zerrt an der Dornenhecke und schreit nach seinen Woll-Geschwistern, bis der Hirte es wieder in seinen Armen hält. Das zeigt uns der Schafs-Krimi mit viel Humor. Für mich ist das Gleichnis und dieser Roman ein Impuls, mich neu auf den Weg zu meinem Schöpfer zu machen. Nur in seinen Armen hört meine innere Einsamkeit auf und ich finde einen Weg, auf dem die Blumen des Lebens wachsen. Mein Rufen und Finden geschieht mit einem Gebet, mit einem Lied oder mit einem Dank ! Worauf warten wir ?
Auf „Widdersehen“,
Ihr Pfr. Steffen Springer !