30.07.2026
Mein Dienstbeginn als Domkantor
Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe und Haschen nach Wind. Prediger 4,6
Liebe Gemeinde!
Mit diesem Monatsspruch für den September beginne ich meinen Dienst als Domkantor hier in der Ev. Kirchengemeinde. Wer an einem neuen Ort anfängt, möchte vieles gestalten und möglichst rasch ankommen. Das Wort aus dem Predigerbuch erinnert mich daran, dass gute Arbeit nicht mit Aktionismus beginnt, sondern mit Aufmerksamkeit: mit Hinhören, Kennenlernen und dem Staunen über das, was bereits gewachsen ist.
Mein Name ist Mike Nych. Mein Weg führte mich von meiner Heimatstadt Altenburg über das Studium der Kirchenmusik in Halle zunächst an den Havelberger Dom und anschließend für vierzehn erfüllte Jahre als Kreiskantor nach Apolda. Dort durfte ich die ganze Vielfalt kirchenmusikalischer Arbeit erleben und mitgestalten – von der musikalischen Früherziehung über Kinder- und Jugendchöre bis hin zu Oratorien, Konzertreihen und großen Singprojekten. Diese Jahre haben mich gelehrt, dass Kirchenmusik ein Lebensraum ist, in dem Menschen gemeinsam wachsen und die Freude am Musizieren entdecken. Und nun: Naumburg. Ich freue mich sehr, künftig mit Ihnen an diesem besonderen Ort musizieren zu dürfen. Der Raum lehrt Demut – und genaues Hinhören. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass der Dom nicht nur als Welterbe bewundert, sondern vor allem als lebendiger Klangraum erfahren wird – als ein Ort, an dem gesungen, gebetet, gespielt, gelernt und gestaunt werden darf. Dass der Dom den Aposteln Petrus und Paulus geweiht ist, empfinde ich nahezu als Programm. Petrus erinnert mich an Berufung, Verwurzelung und Verlässlichkeit. Paulus steht für Aufbruch, Begegnung und den Mut, Menschen anzusprechen. Beides gehört für mich zusammen: Kirchenmusik lebt aus einem reichen Erbe und sie bleibt zugleich in Bewegung. Sie bewahrt nicht nur, sondern lädt immer wieder neu zum Mitmachen, Zuhören und Entdecken ein.
Dabei weiß ich sehr wohl, dass ich in Naumburg nicht bei null beginne. Mein Vorgänger Jan-Martin Drafehn hat mit der Domkantorei und der Domsingschule eine beeindruckende kirchenmusikalische Arbeit aufgebaut. Daran anknüpfen zu dürfen, erfüllt mich mit großer Dankbarkeit und Respekt. Was mich außerdem begeistert, ist die außergewöhnliche räumliche Nähe kirchenmusikalischen Lebens: Dom, Haus der Kirche mit Musikschule und all den Ensembles, die Evangelische Domschule St. Martin – alles liegt nur wenige Schritte voneinander entfernt. Fast könnte man von einem kirchen-musikalischen Campus sprechen. Kurze Wege schaffen Begegnungen. Und Begegnungen sind oft der Anfang gemeinsamer Musik. Ebenso freue ich mich auf auf die Zusammenarbeit mit den vielen Ehrenamtlichen und mit den hauptamtlichen Kolleginnen und Kollegen. Dass hier gleich drei hauptamtliche Kirchenmusiker gemeinsam wirken, ist ein großes Geschenk und bietet wunderbare Möglichkeiten.Besonders am Herzen liegt mir neben der anspruchsvollen Chorarbeit die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Es begeistert mich immer wieder, wie selbstverständlich Kinder singen, wenn man ihnen Raum dafür gibt. Diese Freude möchte ich fördern – in der Domsingschule, an der Evangelischen Domschule St. Martin und auch an der Landesschule Pforta, wo ich weiterhin im Lehrauftrag Orgel unterrichten werde. Schon bei meinen ersten Begegnungen hatte ich den Eindruck: Naumburg ist eine Stadt, die gern singt. Möge daraus weiterhin eine musikalische Familie wachsen, in der Kinder und Erwachsene, Haupt- und Ehrenamtliche, Chorsängerinnen und Chorsänger, Konzertbesucher und Neugierige gemeinsam Kirche mit Musik gestalten. Ich lade Sie und euch herzlich ein: Besuchen Sie die Dommusiken, singen Sie mit, erzählen Sie anderen davon und helfen Sie mit, dass dieser besondere Ort auch künftig ein klingender Ort bleibt. Und noch etwas Persönliches: Zuhause bin ich in einem kleinen Haus mit Garten in Bad Kösen. Dort tanke ich Kraft zwischen Beeten und Blumen. Im Kurpark gehe ich gern joggen – und meinen Kaffee trinke ich am liebsten schwarz. Ich freue mich auf viele Begegnungen. Soli Deo Gloria!
Ihr Domkantor Mike Nych