Gemälde in St. Wenzel: „Der barmherzige Samariter“

(04.06.2020) — Kirchengemeinde Naumburg/Saale

Die Naumburger Kirche St. Wenzel ist noch heute reich an Ausstattungsstücken, die über Jahrhunderte ihren Weg in die Kirche fanden. Besonders schmücken zahlreiche Gemälde die Kirche, die man fast als Gemäldesammlung bezeichnen kann.

Am bekanntesten sind die beiden Cranach-Werke, die vermutlich schon bald nach ihrer Entstehung erworben wurden.

Ich möchte auf ein weniger beachtetes Gemälde hinweisen: "Der barmherzige Samariter" von einem unbekannten Meister. Das Bild hängt im Übergang des verlängerten Chorraumes zum Kirchenschiff neben dem Ratsherrenbalkon. Über die Entstehung, den Künstler und wie es in unsere Stadtkirche gelangte, ist nichts bekannt. Man datiert es auf das 16. Jahrhundert, also durchaus in die Zeit der Reformation.

Dargestellt ist das Gleichnis vom barmherzigen Samariter. Es zählt zu den ältesten Erzählungen Jesu und wird im Lukas-Evangelium überliefert (Lukas 10, 25-37). Jesus antwortet auf die Frage, wer denn unser Nächster sei, mit dieser Erzählung.

Im Vordergrund auf der rechten Seite des Gemäldes bemüht sich der Samariter um den Verletzten. Er ist durch den Turban und sein edles Gewand als vornehmer, vermögender Mann gekennzeichnet. Selbst der Kopf seines Esels, der hinter ihm nur schwer zu erkennen ist, ist geschmückt. Der Samariter stützt den Verletzten und versorgt dessen Wunden. Die linke Seite des Bildes gibt einen Blick in die Landschaft frei. Wir erkennen eine Stadt mit einer Kirche und im Hintergrund eine Burganlage, sowie vor deren Toren eine Brücke. Vor allem aber sehen wir den Priester und den Leviten, die ja, wie bekannt, an dem Verletzten vorbeigeeilt sind. Beide sind versunken in ihren Schriften, die ihnen wichtiger sind, als der Hilfsbedürftige. Ebenfalls ist der Samariter zu sehen, der den Verletzen auf seinen Esel gesetzt hat und ihn zur Stadt bringt.

Das gesamte Gleichnis ist auf diesem Gemälde zu sehen. Es ist ein Bild von außerordentlicher Erzählfreude. Detailreich hat der Maler die Stadt, die Weite der Landschaft und den Weg gezeichnet. Vor allem aber hat er die Frage Jesu beantwortet: Wer ist dem Überfallenen der Nächste?