Liebe Gemeinde,

„Wie findet man eigentlich Freunde?“ – das war die letzte Frage einer großen Plakataktion der Evangelischen Kirche in Deutschland. Die Alternativen, die uns bei der gesamten Aktion aufgezeigt worden sind, erschienen mir auf den ersten Blick konstruiert: Auf dem letzten Plakat wurde erkundet, ob man Freunde mit der Kreditkarte oder mit dem Herzen finde. „Die Antwort mag man sich ersparen können“, ging es mir durch den Kopf. Beim zweiten und dritten Hinblicken jedoch kamen mir schon Zweifel und mir fielen Geschichten ein von reichen oder mächtigen Leuten, die immer davon ausgegangen waren viele gute Freunde zu haben und erst nach dem Verlust ihrer Macht oder ihres Reichtums mit Ernüchterung feststellen mussten, wer wirklich ihre wahren Freunde sind. Oder ich dachte an den Druck schon unter Kindern in Markenkonfektion gekleidet zu gehen, das beste Smartphone zu haben etc. Aber auch an den Hang unserer Gesellschaft, Menschen mit zunehmendem Alter als nutzlos und leistungsschwach abzustempeln, kam mir in den Sinn. Natürlich lieben wir Menschen das Schöne und Angenehme und das Starke und Schillernde macht uns neugierig. Doch der Schein trügt leider – er trägt nicht, denn er lässt Fehltritte und Schwachheit und Sorgen nicht zu und er lenkt un- seren Blick nicht auf das wirklich Wichtige.

„Der Mensch sieht, was vor Augen ist, aber Gott sieht das Herz an“, so sagt uns die Bibel. Das ist die Sicht auf das Wesentliche! Wie man wahre Freunde findet, wissen wir also!
Ich wünsche Ihnen immer wieder die Erfahrung wahrer Freundschaft, eine Freundschaft, die Fehltritte, Schwächen und Sorgen zulässt und trägt. Und ich wünsche Ihnen Gottes Nähe, denn er ist es, der unsern Blick auf das Herz, das Wahre und Wesentliche lenkt.

Übrigens: Wie wäre es mit der Fortsetzung der Plakataktion:
Wovon hängt eigentlich ein gelungener Urlaub ab? Von der Entfernung des Rei- seziels? Von der Fluggesellschaft? Oder von gelungenen Gesprächen und Kon- takten ?

Herzliche Grüße für eine gesegnete Zeit! Michael Bartsch, Pfarrer