Farbe bekennen!

Manchmal kommt man im Leben in Situationen, in denen man plötzlich zu seinen eigenen Werten stehen muss. So saß ich vor kurzem mit einer jungen intelligenten Frau am Tisch, die hervorragend zeichnen kann und Kunst studieren will. Im Laufe des Gesprächs kam heraus, dass ich von Beruf Pfarrer bin und es entstand eine trockene Redepause. Schließlich versuchte die junge Frau den Fluss der Worte wieder in Gang zu bringen und sprach zu mir: "Ich glaube auf keinen Fall an einen alten Mann mit Bart, der auf einer Wolke sitzt und mir zuhört. Ich meistere mein Leben aus meiner eigenen Kraft ...".

Mir fiel in der ersten Reaktion nur der Satz ein: "Ich glaube auch nicht an einen Opa auf der Wolke, sondern an ein Heiliges ‚Du‘ , dem ich alles anvertrauen kann." Im gleichen Moment habe ich innerlich gebetet, dass der Schöpfer dieser intelligenten und starken Frau ein Fenster für seine Wirklichkeit öffnen möge. Eine wechselseitige Argumentation, ob es nun Gott gibt oder nicht, führt in der Regel zu einer endlosen Schleife, bei der jeder zum Schluss in seiner Argumentationskurve stehen bleibt. Ich kann in dem Moment nur für mich selbst sprechen und das Bekenntnis einer Liebe versuchen. Alle theologische Schlauheit verstopft sich nur selbst.

IUnd doch hat mich dieses Gespräch nicht losgelassen. Für mich war es der Impuls, ein eigenes Bekenntnis mit meinen Worten aus dem 21. Jahrhundert zu entwerfen, um mei- nen Glauben für andere sichtbar zu machen. So sieht mein Versuch aus, und vielleicht hat jemand Freude daran, auch einmal ein eigenes Glaubensbekenntnis zu entwerfen.

Ihr
Pfarrer Steffen Springer